Mittwoch, 9. Mai 2018

Wo es uns auf Pulau Tioman sehr gut gefällt

Unsere vorerst letzte Station auf der Reise südwärts entlang der Ostküste Malaysias war die Stadt Mersing. Den kurzen Aufenthalt verbrachten wir mit alltäglichem und Dingen die zuhause nichts besonderes wären, in der Ferne jedoch schon. Wir fanden eine nette Bäckerei, bei der unter chinesischer Führung herrliche Torten angeboten werden. Die Auswahl reicht von Käsekuchen und Schwarzwälder Kirsch bis zur Spongebob-Torte. Für Max gab es einen 2 € Haarschnitt beim indischen Frisör. Das war auch eine Vorsichtsmaßnahme, denn wir hatten zuletzt mit Läusen zu ha(ar)dern. Vor allem in Annas langen schönen Haaren fühlten die sich besonders wohl und planten eine neue Zivila(us)tion. Zum Glück gibt es auch in diesen Breiten ein umfangreiches Spektrum an Mittelchen gegen die Plagegeister und dank gründlichem und geduldigen Auskämmen mit einem feinen Kamm konnte Annas Haarpracht gerettet werden. So viel Zeit wie wir in Bussen und immer wieder neuen Betten verbringen ist es wohl kein Wunder sich auch mal Läuse einzufangen. Von Flöhen und Bettwanzen wurden wird auf unserer Weltreise bislang verschont.

Die Fähren aus Mersing steuern mehrere Jetties auf Pulau Tioman an. Die Überfahrt dauert etwa 2 h und kostet 70 RM p.P. für Hin- und Rückfahrt (ca. 14€). Wir haben uns für den letzten Halt entschieden und verbringen unsere Zeit auf Tioman bei Salang nahe dem nördlichen Ende der Insel. Hier ist nicht so viel los wie am Hauptpier Tekek und es gibt insbesondere keine Straßen und Autos, nur schmale Betonwege und ein paar Mopeds. Wir haben uns in der Umgebung vom Pier in Mersing beraten lassen und von der örtlichen Reiseagentur ein Bungalow bei Putari Salang Inn vermittelt bekommen. Für 105 RM pro Nacht (21€) gibt es ein kleines und verwohntes Häuschen mit Ventilator. Abseits vom Strand inmitten einer gepflegten und ruhigen Anlage mit idyllischen Mango- und Wasseräpfel-Bäumen sowie Kokos-Palmen gelegen und mit Moskitonetz ausgestattet bietet diese Unterkunft alles was wir benötigen zum günstigen Preis. Im Gemeinschaftsbereich kann ein Kühlschrank benutzt werden und es steht Wasser und Kaffee zur Verfügung. Außerdem kann man einen großen Grill und Schnorchel-Equipment leihen und wir durften sogar die Waschmaschine benutzen – wahrscheinlich aber nur weil an diesem Tag nicht viel los war und wir so lieb gefragt haben. Wir verstehen uns gut mit dem Verwalter Eddie. Da haben wir also eine tiptop Basis gefunden.



Rings um die Bungalows treiben Javaner-Makaken ihr Unwesen und Warane mit bis zu 1,60m Länge züngeln nach Essbarem. Wir schätzen das Inselleben im Grünen immer sehr, aber eigentlich sind wir wegen der Unterwasserwelt nach Pulau Tioman gekommen. So machten wir uns kurz nach der Ankunft in Salang bereits auf die Suche nach einem geeigneten Dive-Center für unsere geplanten Unternehmungen. Bei den Marine Monkees fanden wir eine angenehme Atmosphäre als auch günstige Preise und trafen die Vorbereitungen für zwei Tauchgänge am darauf folgenden Tag (200 RM p.P.). Das Angebot, die Tauchmasken und Schnorchel gleich für eine Erkundung des örtlichen Riffes bei Sonnenuntergang mit zu nehmen, nahmen wir dankend an. Am südlichen Rand der Bucht wird das Riff und die Schnorchler durch eine Bojenlinie von der Boots-Schneise nahe des Jetty geschützt. Es empfiehlt sich, dem Riff von den Bojen aus entgegen zu schwimmen, denn dort wird das Wasser schnell tiefer. Geht man an einer beliebigen Stelle ins Wasser und schwimmt Richtung Meer, so findet man sich höchstwahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit inmitten wunderschöner, aber auch sehr scharfkantiger und fragiler Korallen wieder, die nur knapp unter der Wasseroberfläche gedeihen. Je nach Tide ist ein Durchkommen ausgeschlossen oder mit einem hohen Verletzungsrisiko verbunden. Das Risiko gilt hier für beide Seiten, denn so schön die Korallen und anderen Unterwasserlebewesen aus sein mögen, der Kontakt ist für Mensch und Tier schnell mit Verletzungen verbunden.

Max hätte nie gedacht, dass es ihm einmal zu viele Korallen sein könnten. Aber jedes Mal, wenn er sich versehentlich im seichten Riff wiederfand, war er sehr froh sobald sich der Abstand zu den Korallen erneut vergrößerte. Man kommt hier den Fischen und Wirbellosen auf jeden Fall so nah, wie man möchte. Erst wenn man seine Hand nach den Tieren ausstreckt entschwindet alles in die schützenden Ritzen oder ist mit ein paar kräftigen Flossenschlägen auf und davon. Wir waren so vom Schnorcheln direkt in unserer Bucht begeistert, dass wir uns gleich mehrfach kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang in die Fluten gestürzt haben. Morgens schützt einen die Insel vor dem direkten Sonnenlicht. Wir versuchen auf Sonnencreme zu verzichten, denn diese schädigt die Organismen unter Wasser und ist insbesondere schlecht für die Korallen, die ja allen anderen Tieren das Zuhause bilden. Abends schwimmen wir mit Klamotten und vertrauen darauf, dass das schwächere Licht der tiefstehenden Sonne die vorgebräunten ungeschützten Körperstellen nicht zu sehr verbrennt.




Zum Tauchen ging es mit dem Boot etwa 15 min nach Sipandan und Renggis, zwei Tauchspots unweit der Insel, aber etwas weiter südlich gelegen als Salang. Wir sahen beim ersten Tauchgang unter anderem Batfish, Angelfish, Titan Triggerfish, Copperband Butterflyfish und Bluespotted Whipray. Hier ging es hinab zu künstlichen Strukturen aus Beton, bei denen wir zum ersten Mal durch etwas hindurch tauchten. Das Tauchen durch einen Tunnel aus Beton-Segmenten war für uns sehr abenteuerlich und nur Dank der ausgezeichneten Sicht von etwa 15 m möglich. Nach einer Mittagspasue am Tekek Pier ging es zu kleinen Insel Renggis, wo wir schon kurz nach dem Abtauchen unseren ersten Blacktip Reefshark und zum ersten Mal eine Hawkbill Turtle sahen. Diese beiden Spezies sind natürlich allein schon wegen ihrer Größe etwas besonderes. Einem Hai in seinem eigenen Element zu begegnen ist definitiv mit etwas Nervenkitzel verbunden, obwohl Riffhaie keine Menschen angreifen sondern sich eher scheu von dannen machen. Die Schildkröte ist ein durch und durch friedfertiges Lebewesen. Sie beim Auf- und Abtauchen sowie dem Fressen zu beobachten kommt einer Meditation gleich und ist sehr beruhigend. Gegen Ende des Tauchgangs hatten wir Probleme mit beschlagenen Masken und mussten immer wieder gegen eine Strömung anschwimmen. Da waren wir froh, dass wir uns an diesem Tag sonst nichts weiter vorgenommen hatten.


In Punkto Tiersichtungen stand das Schnorcheln auf gleichem Level im Vergleich zum Tauchen. Während den unterschiedlichen Exkursionen, bei denen wir dank der außergewöhnlichen Uhrzeit meist die einzigen Menschen in Sichtweite waren, gab es ebenfalls den Hai, mehrere Schildkröten, riesige Falterfische, Schützenfische, Blaupunkt Rochen und unzählige Spezies von Papageifischen und anderen farbigen Rifffischen zu entdecken. Ein besonderes Erlebnis war die Sichtung einer 1,70 m langen Moräne. Das grün-braune Ungetüm von einem Fisch schlängelte sich mit seinem finsteren Blick direkt unter uns hindurch. Da beschleunigt sich der Puls erst einmal. Wir konnten beobachten wie sich der Räuber von im Vergleich winzigen blau gestreiften Putzerfischen säubern ließ und immer wieder zurück zuckte wenn die Putzerfische zu grob zubissen. Tja, harte Schale weicher Kern? Jedenfalls schienen die kleinen Fischlein vor der Moräne weniger schiss zu haben als wir. Ein kleiner bunter Fisch knabberte auch Anna an, denn eins ihrer Muttermale sah wohl zu verlockend aus. Da sieht man mal wieder, dass man sich von seinem ersten Eindruck nicht täuschen lassen darf. Der ein oder andere Raubfisch mit düsterem Ruf erschien uns eher ängstlich und verletzlich und kleine bunte Fischies beißen dreist in alles, was sie für essbar halten. (Mehr Bilder gibt's hier.)




Beim Schnorcheln sahen wir außerdem einige Cuttlefish. Diese etwa einen halben Meter großen Kopffüßer bewegen sich anmutig mit wellenförmigen Bewegungen des Flossensaumes an ihrem Rumpf vorwärts, während die Tentakel der Kopffüßer meist unschuldig zusammen gezogen über die räuberische Lebensweise hinweg zu täuschen versuchen. Für uns ist es immer eine Begegnung der dritten Art, denn zusammen mit der ungewöhnlichen Form und Fortbewegungsweise ist es vor allem die Fähigkeit zur Farbänderung die uns an den Sepien fasziniert. Je nach Untergrund erscheinen die zu groß geratenen Calamari hell oder dunkel und passen auch die Musterung ständig der Umgebung an, während sie so durchs Wasser schweben. Alles in allem könnt ihr euch also auf ein super Video gefasst machen, allerdings waren die Sichtungen mit den eigenen Augen ungleich spektakulärer. Noch nirgendwo haben wir eine solche Artenvielfalt und so viele große Spezies unter Wasser beobachtet. Besonders das entspannte Beobachten der Schildkröten war ein magisches Erlebnis. (Link zum Video)

Leider war nicht jeder Eindruck auf Tioman positiv. Auf dem Weg vom Pier zu unserer Unterkunft lag so viel Unrat, dass wir einen Nachmittag damit verbrachten dort auf zu räumen. Obwohl Plastik und Dosen auf der Insel gesammelt werden um sie zu recyceln, schmeißt so mancher einfach alles weg wo auch immer er geht und steht. Das macht uns sehr wütend und wir verstehen gar nicht, warum man die ganzen in Plastik verpackten Produkte überhaupt braucht. Kauft man Speisen und Getränke in den Restaurants und Buden, so sind die Reisgerichte, Fruchtsäfte und Co in wiederverwertbaren Behältnissen. Die pappsüßen oder fettigen Produkte von Nestle, CocaCola und Konsorten sind in PET, Alu und Zellophan verpackt. Der Mist liegt dann überall rum und niemand fühlt sich verantwortlich. Eine Schande ist das. Die Welt wäre ohne diese Produkte besser dran. Vor etwa einer Woche kamen wir an einer Mülldeponie auf dem Festland vorbei. Wenn man die gigantischen Mengen Abfall visualisiert, die jeden Tag auf der Erde entstehen, dann versteht man, dass jede eingesparte Plastikverpackung zählt. Das gilt in Malaysia genau so wie in Deutschland.




Wir schnorcheln immer ohne Flossen und Schwimmweste, denn wir fühlen uns so wohler und empfinden uns mehr als Teil der Unterwasserwelt und weniger als störende Plastik-Boje. Mit den Flossen ist außerdem das Risiko größer den Grund aufzuwirbeln oder die filigranen Strukturen abzubrechen. Max hat im Wasser jemanden beobachtet, der mit Schnorchel, Flossen und Schwimmweste am Leib wortwörtlich über die Korallen gelatscht ist. Am liebsten hätte er den malaiischen Touristen an Ort und Stelle ersäuft. Anna lehnt die körperliche Züchtigung der Umweltzerstörer ab. Sie sagt das bringe doch niemanden zur Einsicht. Max zweifelt ob man solche Leute überhaupt zu irgendeiner Selbstreflektion bringen kann und möchte die Backpfeifen nicht austeilen, damit sich die anderen ändern, sondern einfach nur zu seiner persönlichen Genugtuung. In dem Frust über den Müll entschieden wir als nächstes einen Abstecher nach Singapur zu machen. Über die „Fine City“, sagt man ja, dass sie dank drakonischer Strafen sehr sauber sein soll. Wir werden sehen und berichten.

Zum Abschied von Salang machten wir noch einen Shore-Dive. Dabei ging es direkt vom Jetty ins Meer. Unterhalb des Piers lebt ein großer Fischschwarm. Die synchronen Bewegungen um uns, den von unseren Atemreglern aufsteigenden Luftblasen und den Stützen des Piers herum zu betrachten hat eine fast hypnotische Wirkung. Wir sammelten auch ein bisschen Müll unter Wasser. Etwas weiter draußen liegen absichtlich versenkte Strukturen, darunter auch ein Fahrrad und ein Moped. Hier soll ein künstliches Riff entstehen und man kann lustige Fotos machen. Uns gefallen die natürlichen Formen, die wir in Form von Hart- und Weichkorallen in allen vorstellbaren Farben bewundern konnten viel besser als der Zivilisations-Schrott. Wir hatten Glück und konnten noch eine Gruppe der großen Büffelkopf Papageifische beim Korallen mampfen beobachten. Die Schule von knapp zehn Tieren soll sich hier nur selten blicken lassen. Die Sicht war während unseres Tauchgangs nicht berauschend, aber für 55 RM p.P. (11€) kann man nichts sagen. 



Mittwoch, 2. Mai 2018

Die Ostküste Malaysias hinab

Durch Malaysia reisen wir so ganz anders, als durch die Länder zuvor. Meist hatten wir einen vorgefassten Plan, was die Abfolge von Ländern und die jeweils zu besuchenden Orte anging. Das hat viele Vorteile, denn man kann von einer Touristenattraktion zum nächsten Höhepunkt hüpfen und erlebt sehr viel in kurzer Zeit. Es gibt aber auch Nachteile. Zum einen ist diese schnelle Art zu reisen sehr anstrengend und man verbringt schlussendlich viel Zeit in Bussen und anderen Verkehrsmitteln. Außerdem lernt man in den touristischen Hotspots nichts über das Land und seine Menschen, sondern bekommt einen Mikrokosmos zu sehen, der von und mit den Touristen lebt. Letzter echter Fixpunkt unserer Weltreise war das Treffen mit Philipp und Steffi. Seitdem lassen wir uns regelrecht treiben, denn wir sind des Planens müde. Eigentlich wissen wir gerade nur, dass wir uns mit Jonas und Lisa treffen wollen, sobald die beiden auch in Malaysia ankommen und das wir irgendwann über Indonesien und Australien nach Neuseeland wollen.

Ursprünglich hatten wir Malaysia überhaupt nicht auf der Liste unserer Wunschdestinationen. Man bemerkt beim Reisen jedoch sehr schnell, dass es nicht wirklich darauf ankommt, in welches Land man genau reist. Überall lassen sich schöne Erfahrungen machen und es gibt viel zu entdecken. Selbst in kleinen Ländern kann man viel Zeit verbringen ohne sie komplett gesehen zu haben. Das klingt eigentlich logisch, aber aus der Ferne betrachtet scheint die Welt aus must-sees und uninteressantem Ödland zu bestehen. Es zeigt sich jedoch, dass gerade die angeblich tollsten Orte der Welt derart von Touristen überschwemmt werden, dass sie fast ihren Reiz verlieren. Die lokale Bevölkerung stumpft angesichts der Menschenmassen ab und das schnelle Geschäft lockt die Raffgier. Anderenorts begegnen einem die Menschen mit echter Freundlichkeit und Interesse. Schließlich gibt es viele Regionen, dort ist schlichtweg der Tourist die größte Attraktion und alle wollen wissen woher man kommt, ob man sich verlaufen hat, lächeln dich an oder starren einfach nur. Einfach weil es weit und breit sonst keine langnasigen Menschen gibt, wird der Aufenthalt an solch einem Ort zu etwas ganz besonderem, weil jeder dich wie etwas ganz exotisches behandelt.

Jetzt sind wir also in diesem Land und wollen uns erst in einigen Wochen hier mit Lisa und Jonas treffen. Unserer neuesten Lieblingsbeschäftigung, dem Tauchen, können wir leider nicht so oft nachgehen. Denn schon bei dem kleinsten Zimperlein - lass es Rückenschmerzen, eine Blase am Zeh oder eine verstopfte Nase sein - lassen wir lieber die Finger davon. Dennoch wird uns nicht langweilig, obwohl wir bisher noch nicht einmal das innere der Halbinsel erkundet haben, sondern einfach nur an der Küste herum schlawenzeln. Wir mögen das Land sehr. Fast jeder spricht etwas Englisch und das macht das Reisen einfach, auch wenn wir dadurch niemals den Anreiz hatten die Landessprache zu lernen. Die gute Infrastruktur macht das Leben als Urlauber hier unkompliziert. Wir haben das Gefühl noch nie mehr als den Preis für die Einheimischen bezahlt zu haben. Das will schon was heißen, denn in anderen Ländern ist das ganz anders. In Vietnam wirst du auch beim Möhren kaufen über den Tisch gezogen. Hier kostet alles so viel wie es kostet, es gibt teure Restaurants und billige Straßenstände - aber überall zahlt jeder das gleiche.

Bei unserer Reise entlang der Ostküste machten wir Halt in Dungun und Kuantan, zwei Städte die unterschiedlicher nicht sein können. Dungun war interessant für uns, weil man von dort aus nach Pulau Tenggol übersetzen kann. Diese noch nicht so touristische Insel bietet all-inclusive Tauchpakete in vier verschiedenen Dive-Resorts. Sonst ist dort keine Infrastruktur vorhanden. Diese Pakete waren uns aber etwas zu unflexibel und teuer, denn irgendwie haben wir durch den ständigen Bettenwechsel alle beide gerade Rückenprobleme und wenn man dann einen angesetzten Tauchgang nicht wahrnehmen könnte, dann bekommt man nichts vom Paketpreis erstattet. Auch die sicherlich verlockenden inkludierten Buffets in den Resorts sind uns eigentlich zu viel, denn an den meisten Gelegenheiten reicht uns ein Nasi Goreng mit Gemüse völlig aus. Gerade vor dem Tauchen empfiehlt es sich ohnehin nicht zu viel zu essen.

Während wir mit den Dive-Resorts auf Tenggol korrespondierten erkundeten wir die Stadt Dungun, die eigentlich gar keine Stadt ist, sondern wirkt wie ein endlos langes Dorf am Strand. Es gibt kaum Gebäude mit mehr als drei Stockwerken und keinerlei erwähnenswertes Merkmal. Läuft man Freitag Mittags durch die Stadt, so begegnet man keiner Menschenseele, die Rollläden der Geschäfte sind runtergelassen und die Gehsteige sprichwörtlich hochgeklappt. Während des Freitagsgebets hat sogar Pizza Hut zu. Um halb drei Strömen die Menschen aus den Moscheen zurück zur Arbeit. In allen Straßen flattern hunderte, nein tausende von Fahnen, als Wahlwerbung für die bevorstehende Parlamentswahl. An den Straßenständen gibt es die üblichen Gerichte wie Curry Nudeln und Reis, immer mit Fisch oder Hühnchen. Wenn man fragt, dann bekommt man aber auch eine vegetarische Version, so lange man sich nicht daran stört, das aus den gleichen Töpfen geschöpft wird und nur kein Fleisch auf deinem Teller landet. In dieser Stadt kann man den Alltag der muslimischen Malaien beobachten, denn sonst gibt es hier nichts zu tun. Dramatische Szenen spielten sich bei einem Verkehrsunfall und einem Wohnhausbrand ab, ansonsten waren unsere Highlights frische Melonen aus dem Garten oder das Spiel mit den unzähligen Katzen, die überall herumstromern.




Kuantan ist hingegen eine richtige Stadt, allerdings aus ohne nennenswerte touristische Attraktionen. Unsere Unterkunft, das Classic Hotel liegt unweit der Sultan Ahmad Shah Moschee. Neben vielen weiteren kleinen Moscheen findet man in der Stadt auch christliche Kirchen und hinduistische Tempel. Bei unseren Streifzügen während der milderen Temperaturen nach Sonnenuntergang stießen wir auf eine Versammlung indisch stämmiger Gläubiger vor einem Tempel. Ein beleuchteter Prozessionswagen war soeben eingetroffen und es wurden verschiedene Opfergaben herbei getragen. Es spielte Musik und Tänzer sorgten für Unterhaltung. Alle waren herausgeputzt, mit Glitzerkleidern und schönen Frisuren. Wir waren die einzigen langnasigen, fahlen Gestalten in Sichtweite, aber auch Chinesen und Malaien waren nicht auszumachen. In den größeren Städten findet man alle Volksgruppen, jedoch nicht immer am gleichen Ort. Läuft man beispielsweise Abends durch den Park Talman Gelora, so sieht man vor allem chinesisch Stämmige beim Joggen oder anderem Sport. So hat jede Volksgruppe stereotype Verhaltensweisen. Zurzeit sehen wir etwa einen anderen Westler pro Tag, deren Stereotyp ist übrigens mit Sommerklamotten und Rucksack herum zu laufen.

Obwohl nicht viele Europäer oder andere Langnasen anzutreffen sind, so gibt es in den Malls nach westlichem Vorbild jedoch alle Produkte, die wir von zuhause gewöhnt sind. In einem sehr gut sortieren Sportgeschäft haben wir zuletzt verschlissene Kleidung und Schuhwerk ersetzt. Im Supermarkt erstanden wir die Zutaten für eine ordentliche Vesperplatte mit Brot, Käse, eingelegten Gurken und Trauben. Das sind hier exotische Spezialitäten und die Preise sind im Vergleich zu Reis-Curry-Gerichten in den Restaurants geradezu obszön, aber wir wollten uns zur Abwechslung mal wieder ein bisschen in heimischen Genüssen schwelgen. Isst man beim Inder um die Ecke, so rollt man total vollgestopft aus dem Restaurant und hat dennoch für zwei Personen inklusive Getränke nur 4 € ausgegeben. Ein Reis oder Nudelgericht an einem Straßenstand kostet meist um einem Euro.